Gute Beispiele aus der Welt

Wien

Pelzgasse – eine „coole“ Straße

Die Pelzgasse zeigt eindrucksvoll, wie sich Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität ergänzen. Sie wurde von Mai bis August 2020 umgebaut: Um den Straßenraum für die Anwohner*innen attraktiver zu machen wurden Parkplätze reduziert, ein verkehrsberuhigter Bereich eingerichtet sowie ein Trinkwasser-Hydrant und Wasserspiele montiert. Neue Bäume sollen zur Verschattung und Abkühlung beitragen und erhalten durch das „Schwammstadtprinzip“ eine gesicherte Wasserzufuhr und genügend Wurzelraum. Gleichzeitig schützt dieses System vor Überschwemmungen bei Starkregen. Eine Bürger*inneninitiative übernahm die Fassadenbegrünung sowie die „Möblierung“ ihrer Straße, z. B. mit Sitzgelegenheiten.

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Amsterdam

Frans Halsbuurt -weniger Parkplätze & mehr Grün

wurde der öffentliche Raum neu aufgeteilt – es soll Raum für Begegnung und die Nachbarschaft entstehen. Unter Mitarbeit der Anwohner*innen ist ein Plan entstanden, der das Viertel grüner und sicherer macht und zum gemeinsamen Verweilen, beispielsweise in Gemeinschaftsgärten, einlädt. Um mehr Platz zu schaffen, wurden alle Parkplätze in der Nachbarschaft entfernt – stattdessen gibt es nun Parkmöglichkeiten in einer neuen Quartiersgarage.

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Koppenhagen

Klimaanpassung im St. Kjelds District

St. Kjeld bietet ein Beispiel für die partizipative Umgestaltung eines ganzen Stadtteils im Zentrum einer Großstadt. Nachdem Überflutungen wiederholt hohe Sachschäden verursacht hatten, wurden zahlreiche Maßnahmen getroffen, um weitere Überschwemmungen zu verhindern und gleichzeitig die Überhitzung, Lärm- und Luftverschmutzung des Stadtteils zu reduzieren. Durchlässige Bodenbeläge beispielsweise leiten das Wasser zu den Bewässerungssystemen und in die Kanalisation, die Straßenfläche wurde um ein Fünftel zurückgebaut und asphaltierte Flächen zu begrünten Plätzen umgewandelt. Begrünte Dächer und „Regenwassergärten“ können zusätzlich Wasser aufnehmen; insgesamt wurden 600 Bäume und Sträucher gepflanzt. Es wurden neue Radwege gebaut und ein Ring auf dem Hauptplatz versprüht an heißen Tagen kühlen Wassernebel. Außerdem entstanden 170 Nachbarschaftsprojekte, die sich mit lokalen Lösungen zum Auffangen, Wiederverwerten und Ableiten von Regenwasser beschäftigten.

Barcelona

Superblocks – ruhiger Wohnen

Ein besonderes Beispiel für Lebens- und Wohnqualität setzt Barcelona mit seinen sogenannten Superblocks: Bis zu 9 Häuserblocks, innerhalb derer Fußgänger*innen und Radfahrer*innen Vorrang haben. Dadurch sind die Anwohner*innen weniger Lärm ausgesetzt und profitieren von besserer Luftqualität in ihrem direkten Umfeld. Nach der Realisierung erster Superblocks wurde das Konzept in Absprache mit den Anwohner*innen weiter verbessert und z. B. um dauerhafte Spielplätze, Bepflanzung und Picknicktische erweitert. Das von einigen Seiten befürchtete Geschäftssterben blieb aus, die Anzahl lokaler Läden innerhalb der Superblocks stieg sogar um 30 Prozent.

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Hamburg

Ottensen macht Platz

In Hamburg-Ottensen erwuchs aus dem Pilotprojekt eines „Flanierquartiers auf Zeit“ der Beschluss, ein dauerhaftes autoarmes Quartier einzurichten. Der zuvor von Nutzungskonflikten geprägte Straßenraum wurde von September 2019 bis Januar 2020 formal als Fußgängerzone ausgewiesen und bot Platz für neue Stadtmöbel, Fahrradabstellplätze und Bäume sowie Straßenfeste, Chorproben, Flohmärkte und vieles mehr.

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Kassel

Mehr Raum für alle durch neue Flächenaufteilung

Das Beispiel der Goethe- und Germaniastraße in Kassel zeigt, welche sichtbare Veränderungen die Initiative von Anwohner*innen anstoßen kann: Aus einem Straßenzug mit hoher Verkehrsbelastung und gefährlichen Querungen entstand durch Neuordnung von Flächen – die komplette Fahrbahn wurde verlegt – eine rund 16 m breite und 330 m lange Promenade mit zwei kleinen Stadtplätzen. Zur Steigerung der Aufenthaltsqualität und Sicherheit wurden Hecken gepflanzt und Ausstattung wie Bänke und Beleuchtung ergänzt.

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London

Francis Road: „Mini-Holland“

Hauptverkehrsstraße eine familienfreundliche und für alle nutzbare Wegstrecke. Dazu wurde die Höhe von Fahrbahn und Gehweg angeglichen und die Straße von 10 bis 22 Uhr für den Autoverkehr gesperrt. Zusätzlich wurden Bäume gepflanzt, neue Radwege und Fahrradständer sowie Fußwege und Sitzgelegenheiten geschaffen. Im Vorfeld wurden Anwohner*innen zu ihren Ideen und Bedenken befragt und konnten zwei Planungsentwürfe kommentieren.

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Paris

Die „Stadt der 15 Minuten“

Die wiedergewählte Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo vertritt das Konzept der „Stadt der 15 Minuten“: Da zu Fuß gehen mit 60 % die häufigste Fortbewegungsmethode in der Metropole ist, sollen alle Wege des täglichen Bedarfs in 15 Minuten zu Fuß zurück zu legen sein. Die dafür geplanten Maßnahmen beinhalten 72 % weniger Parkplätze, Radwege auf jeder Straße, gesicherte Radwege auf Brücken, Fußgänger*innenzonen in allen Vierteln, fußläufige Kontinuität an allen Ufern der Seine und die Neugestaltung von neun Pariser Plätzen.

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Berlin

Die Vision vom „Stadtraum 2030“

Im Berliner Stadtteil Alt-Pankow läuft ebenfalls ein Prozess zur Gestaltung lebenswerter Straßen: Da der Planungsprozess im Corona-Lockdown begann, gewannen die Themen der Naherholung und lokalen Aufenthaltsqualität an Bedeutung. Das Ziel dieses Projektes ist nicht in erster Linie die tatsächliche Umsetzung, sondern das gemeinsame Gestalten einer positiven Vision und das Anstoßen eines Bewusstseinswandels zur Verteilung des öffentlichen Raums. Dazu wurden in Zusammenarbeit mit Anwohner*innen zahlreiche Maßnahmen, wie z. B. die Umwidmung von Parkplätzen in Parklets, Hochbeete und mehr Räume für Außengastronomie sowie die Einrichtung einer Fahrradstraße in Simulationen dargestellt.

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